Pilotbeitrag Raumfahrt

Liebe geneigte Leserin, lieber geneigter Leser,

dies wird ein recht persönlicher Beitrag für das Grünheide Netzwerk und wird den Auftakt geben für eine Reihe an Beiträgen, die hier monatlich erscheinen. Es ist aus meiner Sicht der richtige Zeitpunkt über die Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart der Raumfahrt zu schreiben. Es stehen uns spannende, einschneidende Ereignisse bevor, die unsere Zukunft nachhaltig verändern werden. Ich will mit diesen Beiträgen für das Thema sensibilisieren, begeistern und zum Innehalten und nachdenken anregen. Dieser Beitrag ist als Einstieg in das Thema Raumfahrt zu verstehen.

Was fasziniert mich so an Raumfahrt?

Um diese Frage näher zu beantworten ist eine kleine Reise in meine Vergangenheit angebracht. Ich erinnere mich gut daran, dass ich im Kindesalter viele Plakate von weit entfernten Planeten und Monden an meinen Wänden zu hängen hatte. Aber auch Raketen, Abkürzungen bekannter und unbekannter Raumfahrtagenturen sowie das Bild des Flugzeuges Sofia das ein Infrarot-Teleskop an Bord hat. Das Projekt wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie der NASA finanziert. Ein einzigartiges Projekt, welches bald nach 8 Jahren Betrieb auslaufen wird (Link).

Das Stra­to­sphä­ren-Ob­ser­va­to­ri­um für In­fra­rot-Astro­no­mie SO­FIA
Credit: NASA/C.Thomas

Warum habe ich mir die Bilder damals an die Wand gehängt? Genau kann ich es nicht mehr sagen. Es wird unter Anderem damit zusammenhängen, dass mein Vater von dem Weltall und den Sternen oft begeistert erzählte und mit mir und meinen Geschwistern wissenschaftliche Einrichtungen besuchte. Ich war angefixt und der Funke sprang auf mich über. Aber auch der Drang, die Dinge, die um uns herum existieren zu verstehen, haben mich geprägt. Das Unbekannte, das uns umgibt ist spannend, aber spannender finde ich zu beobachten, wie sich die Menschheit immer weiter in das Unbekannte auf macht und in kleinen Schritten immer und immer wieder die Grenzen des Machbaren austestet. Dinge, die vor kurzem als nicht machbar galten, doch umzusetzen. Und von diesen werden es in Zukunft immer mehr. Wie früher das Fliegen als unmöglich galt, ist es heute das Reisen zu weit entfernten Planeten. Vor Corona flogen täglich ca. 200.000 Flugzeuge Personen oder Fracht von A nach B (Link). Das heißt, Wissbegierige wie die Brüder Wright aber auch Otto Lilienthal haben die Grundlagen für eine riesige Industrie gelegt. Eine Branche, die heute unter großem Druck steht und sich ebenso weiterentwickeln wird (Link). Herr Lilienthal hat übrigens seine Flugversuche ganz in der Nähe durchgeführt – in Stölln. Kam aber leider bei einem seiner Flüge ums Leben.

Neben der Raumfahrt faszinieren mich Abenteurer, die Neuland betraten. In der jüngeren Vergangenheit wird immer mal wieder der Aufbruch in das All mit den Entdeckungen neuer Landstriche, va. der Entdeckung Amerikas verglichen. Die Expeditionen waren mit viel Aufopferung aber auch mit großem Reichtum und Prestige verbunden. Über Monate/Jahre war eine Crew auf sich alleine gestellt und musste mit eigenem Wissen und den eigenen Kräften für das Überleben kämpfen, sich mit den widrigsten Bedingungen auseinandersetzen. Das Risiko die Reise nicht zu überleben war hoch – denkt man mal nur an die Seefahrerkrankheit Skorbut oder daran, dass sich die Seefahrer bei der Entdeckung von Neuland den Eingeborenen stellen mussten.

Viel Bewunderung entgegne ich aber den Polarforschern wie Roald Amundsen oder Robert Falcon Scott der von 1910 bis 1913 die Terra-Nova Expedition leitete (unbedingt lesen). All diese Expeditionen führten dazu, dass sich die Menschheit weiter entwickelt, an Wissen hinzugewonnen hat. Aber, und das gehört auch dazu, Nährboden für einige Fehlentwicklungen waren. Denkt an die massenhafte Ausbeutung von Arbeitskraft – die Sklaverei.

Die spätere Besiedlung der „Neuen Welt“, dem heutigen Amerika, war anders als man vielleicht denken mag nicht immer getrieben durch Interesse und Wissbegierde oder einer romantischen Vorstellung sondern lag oft einer existentiellen Not zu Grunde. Es gab in der Zeit zwischen 1850 und 1950 immer wieder einschneidende Erlebnisse für die Menschen in der „Alten Welt“ die sie dazu brachten einen Neuanfang zu wagen, trotz der anfänglich hohen Risiken bei der Überfahrt. Eine Mitfahrt in einem Zwischendeck wird als keine schöne Erfahrung beschrieben. Aus Europa, schreibt eindrücklich der „Stern“ in einem ausführlichen Artikel, siedelten im 19Jh. ca. 52 Millionen Menschen nach Amerika über. Das ist etwas mehr als Spanien heute Einwohner hat.

Zurück zum eigentlichen Thema. Wir haben nun die wichtigsten Motive warum sich die Menschheit in das Weltall auf macht:
Wissbegierde, Abenteuerlust, Prestige, Reichtum, Not

Jedem dieser Motive widme ich in Zukunft einen eigenen Beitrag.

Raumfahrt heute

Inspiration4 – Echtaufnahme eines SpaceX Falcon 9 Starts am 21.09.2021 – Übereinanderlegung mehrerer Aufnahmen Credit: MarsScientific

Noch nicht lange her und es war einzig und allein großen Raumfahrtagenturen möglich Raketen in das All zu schießen. Bekannt dürften ESA (Europa), NASA (USA) und Roskosmos (Russland) sein. Weniger bekannt, aber nicht unbedeutender, sind unter Anderem das DLR (Deutschland), JAXA (Japan) sowie CNSA (China). Es kommen neuerdings weitere hinzu wie zB die ASA (Australien) oder UAESA (Vereinigte Arabische Emirate). Das war nur ein kleiner Auszug. Eine längere Liste gibt es bei Wikipedia. Alle diese Agenturen sind staatlich finanziert.

Zu diesen gesellen sich mittlerweile immer mehr private Unternehmen hinzu, die den Markt spürbar umkrempeln und die Möglichkeiten im All immens erweitern. Man spricht mittlerweile vom zweiten „Space Race“. Dem zweiten Rennen im Raumfahrtsektor. Das erste Rennen fand zwischen den USA und der Sowjetunion statt und endete mit der Landung der Amerikaner 1969 auf dem Mond. Das zweite Rennen wurde durch drastisch fallende Nutzlastkosten ausgelöst und der Weiterentwicklung der Technik. Heutige Satelliten und Raumfahrzeuge nutzen leicht modifizierte Endanwenderelektronik oder ganz neue Produktionstechniken wie den 3D Druck, um Triebwerke oder ganze Raketen herzustellen (Relativity Space). Es sind meist keine hochspeziellen Geräte mehr nötig. Das löst eine gestiegene Startnachfrage aus und öffnet Türen für junge und ambitionierte Unternehmen und es zeigt sich immer mehr, dass Raumfahrtunternehmen in das Geschäft aktiv eingebunden werden, der Weltraum kommerzialisiert wird. Wir sprechen von „NewSpace“ – der „Neuen Raumfahrt“.

Das heute relevanteste Unternehmen ist das im Jahr 2002 gegründete Unternehmen SpaceX. Innerhalb kurzer Zeit hat es sich den Respekt durch bahnbrechende Neuerungen verdient und somit einen großen Stein ins Rollen gebracht. Bis vor kurzem wurden alle Raketen für eine Mission gebaut und konnten nicht mehr verwendet werden. SpaceX schaffte es ihre Raketen wieder zu nutzen und ist damit sehr erfolgreich. Mehrere Starts pro Woche finden mittlerweile statt. Manch ein Booster ist bereits zum 12 Mal aufbereitet worden, um wieder in das All auf zu brechen. Andere eifern der Wiederverwendbarkeit nach, da wesentlich kostengünstiger.

Bild
20.08.2022 – SLS zusammen mit der Raumkapsel Orion auf dem Launch Pad 39B in Cape Canaveral, Florida, USA

Weshalb ich aber der Meinung bin, dass es wichtig ist über die Raumfahrt zu sprechen und Menschen dafür zu begeistern, ist der Grund, dass dieses Jahr für die Menschheitsgeschichte ein wichtiges Jahr ist. Mehrere Großraketen stehen kurz vor dem Start und wir sind nicht mehr weit davon entfernt, wieder Menschen auf den Mond zu schicken. Bereits am 29.08. ist geplant, die aktuell stärkste Rakete in das All zu schießen. Bis zum niedrigen Erdorbit kann sie 105 Tonnen tragen. SLS steht bereits auf der Startrampe LC39, von der Buzz Aldrin, Neil Armstrong und Michael Collins am 21. Juli 1969 zum Mond aufbrachen (Apollo 11).
Artemis 1 ist die erste Mission und wird, da es ein Teststart ist, noch ohne Astronauten in das All aufbrechen. Erst 2024 wird Artemis 2 einen Testflug mit Menschen an Bord um den Mond fliegen.

Parallel dazu bereitet sich Space X mit dem Starship auf einen Flug in den Orbit vor. Im Gegensatz zur SLS soll auch diese Rakete wieder verwendbar sein. Greifarme sollen den Booster bei der Landung auffangen. Das Starship selbst (obere Stufe) hat bereits im letzten Jahr bewiesen, dass es landen kann.

Weitere Unternehmen, wie Blue Origin, Rocket Lab und das bereits genannte Relativity Space aber auch China stehen bereit und entwickeln Schwerlastraketen.

Klappen all diese Vorhaben, werden wir eine Zeitenwende erleben. Mit der Tragkraft werden ganz andere Dimensionen der Nutzung des Weltalls möglich und könnten einige unserer heutigen Probleme lösen. Vertiefend werde ich in Zukunft auf Güterproduktion, Bergbau, Energieproduktion im All und auf die Besiedlung anderer Planeten eingehen.

Einladung

Starts dieser Größenordnung sind zwar etwas vage, da immer mal wieder etwas dazwischen kommen kann, solltest du aber Lust haben den Start der SLS mit zu erleben, komm am 29.08. um 13.45Uhr in den Netzwerkladen am Marktplatz in Grünheide, um über Raumfahrt zu plaudern. den Start auf dem Beamer zu verfolgen oder in virtueller Realität (HP Reverb G2) einen Start einer SpaceX Rakete zu erleben. Aktuell ist der SLS Start für 14.33Uhr angesetzt. Am besten du trägst dich gleich unten in den Newsletter ein, um über kommende Termine auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Wenn du gerne Podcasts hörst und immer auf dem aktuellen Stand zum Thema Raumfahrt bleiben möchtest, dann kann ich dir wärmstens unseren Podcast „Elontime“ empfehlen. Wöchentlich nehmen Silas Borowy und ich uns die Zeit, um über aktuelle Raumfahrtgeschehnisse zu berichten.

Mit den besten Grüßen,
Albrecht Köhler

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